SOCIAL REMITTANCES


Conference REPORT

SOCIAL REMITTANCES IN SOCIAL THEORY AND PRACTICE

Ein Bericht zur Internationalen Konferenz der Sektion Migration und ethnische Minderheiten der DGS und des ERC Projekts TRANSFORmIG an der Humboldt-Universität zu Berlin, 12-13 SEPTEMBER 2014, BERLIN

 

Autorin: Magdalena Nowicka/Sarah Klepp

Am 12. und 13. September 2014 fand an der Humboldt-Universität zu Berlin, im Festsaal der Berlin Graduate School of Social Sciences (BGSS) die internationale Konferenz „Social Remittances in Social Theory and Practice“ statt. Die Konferenz wurde von dem Projekt „TRANSFORmIG. Transforming Migration: Transnational Transfer of Multicultural Habitus“ initiiert, vorbereitet,  mitfinanziert und durchgeführt. Das Programm umfasste vier thematische Sektionen, eine Podiumsdiskussion und ein Vortrag von Prof. Peggy Levitt (Harvard).

An der Konferenz nahmen 32 Wissenschaftler_innen aus Deutschland (Humboldt-Universität zu Berlin, Freie Universität Berlin, Universität Bielefeld, Ruhr-Universität Bochum), Europa (Trento - Italien, UCL, Oxford, Wolverhampton - Großbritannien, Université catholique de Louvain  - Belgien, PRIO - Norwegen) und den USA (MIT, Harvard) teil. Die Vortragenden wurden in einer offenen Ausschreibung (10) und auf Einladung (7) ausgewählt. Vertreten wurden neben der Soziologie auch weitere Disziplinen: Geschichtswissenschaften, Ethnologie, Linguistik und Politologie, die den Blick aus verschiedenen Perspektiven auf das Thema Migration und migrantische Transfers ermöglicht haben. Der geographische Fokus der jeweiligen Präsentationen wurde auf Europa (Deutschland, Großbritannien – Polen; Deutschland – Türkei; Rumänien; Kroatien – Westeuropa) und Räume und Beziehungen außerhalb Europas (USA-Mexiko; USA-Nigeria; Irak-Norwegen und Großbritannien; Deutschland-USA; Spanien-Bolivien; Kroatien-USA) gerichtet. Die Vorträge umfassten unterschiedliche Zeiträume, sie beleuchteten einerseits das aktuelle Migrationsgeschehen, bis hin zu einer historischen Perspektive auf Migration im 19. und 20. Jahrhundert. Dies ermöglichte sowohl spannende Vergleiche zwischen den empirischen Fällen als auch eine historische Kontextualisierung der Migrationsströme und deren Folgen.

 

Konzeption der Konferenz

Die monetären Rücküberweisungen, die die Migrant_innen leisten, stehen seit längerer Zeit im Zentrum des Interesses von Politik und internationalen Organisationen (z.B. der Weltbank) als auch der Wissenschaft. Im Zentrum dieses Interesses stehen die sozial-ökonomischen Auswirkungen der migratorischen Überweisungen in die Heimatregionen. Diese sind ambivalent: durch die Migration bzw. die migratorischen Überweisungen verändern sich die sozialen Ungleichheitsstrukturen in den Orten der Herkunft der Migrant_innen. Die Forschung zeigte die erhöhte Bereitschaft zur Folgemigration (die Entwicklung der Migrationskultur und der Kettenauswanderung), Änderungen der Konsummuster, veränderte Geschlechterrollen, erhöhte Investitionen in Bildung der Migrantenfamilien, usw.

Seit mehr als 15 Jahren postulieren die Migrationsforscher aus den USA, die Erforschung der monetären Rücküberweisungen auf die Untersuchung von sozio-kulturellen Transfers auszudehnen. Nicht nur ist „Geld“ und deren Austausch und Wert sozio-kulturell zu verstehen, Migrant_innen „überweisen“ auch Wertvorstellungen, Wissen und Muster sozialer Praktiken, die die Kulturen in den Heimatorten dauerhaft verändern. Die Skala solcher Transformationen reicht von einzelnen Personen und Familien bis zu ganzen Wirtschaften und Organisationen. Um zu verstehen, was, wie und warum die Migrant_Innen „jenseits der Geldüberweisungen“ über die nationalen Grenzen hinweg transferieren schlug Peggy Levitt den Begriff „social remittances“ vor (Levitt 2001; Levitt /Lamba-Nieves 2011).

Das Konzept „social remittances“ ist im europäischen Kontext nicht besonders gut etabliert, was teilweise daran liegt, dass der europäische Kontext der Herkunftsländer anders ist, als der der Wanderung zwischen der Dominikanischen Republik und den USA, den Levitt erforschte; auch der Schwerpunkt der Migrationsforschung auf die Integration von Immigranten in den Aufnahmegesellschaften in Europa erschwerte die Entwicklung der Forschung zu „social remittances“, die primär im Bereich der Transnationalisierungsforschung zu lokalisieren wäre. Dennoch gibt es in Europa eine Reihe interessanter Forschungsarbeiten zu den Prozessen des Austausches zwischen Migrant_innen und der nicht-migrierenden Bevölkerung in deren Ursprungsländern. 

Mit dieser Konferenz wollte das Projekt TRANSFORmIG Wissenschaftler_innen zusammenzubringen, die empirisch zu den Austauschbeziehungen zwischen Migrant_innen und Nicht-Migrant_innen in den Herkunftsländern forschen und an der konzeptuellen Weiterentwicklung des Begriffs arbeiten.

 

Rückblick auf die Diskussionen

Eigenladen wurden zwei US-Amerikanische Forscher: Peggy Levitt (Harvard University) und Deepak Lamba-Nieves (MIT), die den Begriff weitgehend prägten. Beide Wissenschaftler engagierten sich in einer Diskussion über die Schwächen des Konzepts und über die Weiterentwicklung des Begriffs. An der Podiumsdiskussion beteiligten sich Dr. Margit Fauser (Bielefeld), Dr. Gilberto Rescher (Bochum) und Deepak Lamba-Nieves (MIT), es wurde die Notwendigkeit besprochen, den Begriff konzeptuell zu präzisieren. Die Spannung zwischen den privaten und kollektiven Formen der „social remittances“ sowie dem Forschungsschwerpunkt auf die Auswirkungen der „Remittances“ in den Herkunftsländern bzw. auf den Prozess des Austausches zwischen den Migrant_innen und den Nicht-Migrant_innen wurde deutlich gemacht. Alle Teilnehmer_innen betonten auch, dass der Begriff des Transnationalismus durch die empirische und theoretische Präzisierung des Konzepts „social remittances“ ebenfalls weiter ausgearbeitet werden kann. Gleichzeitig wurde betont, wie wichtig es ist die Mechanismen zu bestimmen, die Überweisungen verhindern bzw. gleichermaßen die Nicht-Überweisungen (beispielsweise bestimmte Werte, Praktiken, Themen) im Blick zu behalten. Darüber hinaus wurde die Wichtigkeit der Erforschung von Nicht-Migrant_innen als Teil des Prozesses der Migration hervorgehoben der zur Weiterentwicklung der Migrationsforschung beitragen kann.